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Noch 28 Jahre bis zum Kalifat-Staat Europa?

Eine bulgarische Wahrsagerin mit beeindruckender Trefferquote prophezeit den Vormarsch des Dschihad nach Europa

Burka für die Frauen – das Schwert für die Männer im Kampf gegen Andersgläubige! Glaubt man den Prophezeiungen der 1996 verstorbenen bulgarischen Wahrsagerin „Baba Wanga“ (Großmutter Wanga) dann wird Europa ab 2043 unter muslimischer Herrschaft stehen. An sich ein Katastrophenszenario, das man beruhigt in den Bereich Science fiction ablegen sollte. Wäre da nicht eine irritierende – angeblich wissenschaftlich bewiesene – 80 %-ige Erfolgsbilanz der Prophezeiungen der Visionärin, die als einzige Wahrsagerin der Welt sogar vom bulgarischen Staat eine Staatsrente als Orakel erhielt.

So soll sie u.a. das Erdbeben in Skopje 1963 vorausgesagt haben, den Prager Frühling 1968, die Katastrophe von Tschernobyl, die Bombardierung Belgrads, den Tod Aldo Moros und bereits 1989 die Ereignisse vom 11.9.2001 in NewYork mit den Worten prophezeit haben: Schrecklich! Schrecklich! Die amerikanischen Zwillinge werden fallen, nachdem sie von eisernen Vögeln angegriffen werden.

Doch nicht immer trafen die Vorhersagen ein. Der für 2010 angekündigte Ausbruch des 3. Weltkriegs blieb aus. Der Kalifenstaat wird es vermutlich und hoffentlich auch.

 

 

Mein Besuch bei Wanga – Würfelzucker erwünscht

Ich wollte mich selbst von der sagenumwobenen Hellseherin im Dorf Rupite nahe der Stadt Petritsch an der bulgarisch/griechischen Grenze überzeugen.

Silvia, die begleitende Dolmetscherin, forderte mich am Tag vor unserer Abreise auf, nachts ein Stück Würfelzucker unter mein Kopfkissen zu legen: dies sei obligatorisch. Wanga empfange auf diese Weise die Energie, um in meine Zukunft zu sehen. Ich verzichtete trotzdem auf solchen – wie es mir schien – „Hokuspokus“.

Auf der ziemlich holprigen Fahrt Richtung griechischer Grenze erfuhr ich, daß die 1911 in Mazedonien geborene Ewangelia Pandewa Guschterowa – später Baba Wanga – erst im Alter von 12 Jahren erblindete, als sie von einer Orkanböe in die Luft geschleudert wurde und tief eingegraben im Sand wieder gefunden wurde. Wie sie im Alter von 16 Jahren ihre parapsychologischen Fähigkeiten entdeckte, wird von zahlreichen Buchautoren, Filmemachern oder in Zeitungsfeuilletons recht widersprüchlich geschildert. Mal wird sie mit der Aussage zitiert, mit unsichtbaren Wesen zu kommunizieren und von der Existenz außerirdischer Wesen auf der Erde überzeugt zu sein, mal soll ihr nach dem Unfall ein Engel verkündet haben, sie werde trotz ihrer Blindheit die Geheimnisse der Seelen anderer Menschen sehen können.

 

Eine Bauersfrau versetzt das Politbüro in Panik

 

Ihren kometenhaften Aufstieg in einem erzkommunistischen Bulgarien soll Wanga jedoch dem seinerzeit berühmten Professor Dr. Georgi Lozanow verdanken, erzählt Silvia. Bis dahin hätte sich die Seherin vor allem einen Ruf als hilfreiche Ermittlerin der Polizei bei unaufklärbaren Morden erworben. Lozanow, der Erfinder des Sprachen-Lernprogramms „Superlearning“ (mit quasi-hypnotischer Musikuntermalung) und Erforscher parapsychologischer Phänomene habe seine „Entdeckung“ stolz auf einer Sitzung des Politbüros den Genossen präsentiert. Kollektive Panik sei das Resultat gewesen. Die Bauersfrau habe nicht nur präzise die Abgründe der Genossenseelen durchleuchtet, sondern auch geplante, aber vermeintlich geheime politische Aktionen vorausgesehen . Fähigkeiten, die im Kommunismus eher ein Freifahrtsschein ins Grab als in die Heldengalerie waren. Nicht so in Bulgarien. Dort ermordete man zwar Regime-Gegner, doch Übersinnliches, fernöstliche Sekten und Gurus genossen dank Kulturministerin Ljudmila Zhivkova, der Tochter von Diktator Zhivkov, staatliche Privilegien.

 

Seancen für Leonid Breshnew und Indira Ghandi

Wangas Blick in die Zukunft faszinierte nicht nur Ljudmila. Rupite bei Petritsch wurde für die bulgarischen Spitzenfunktionäre ebenso Pilgerstätte wie für Staatschefs und hochrangige Militärs aus aller Welt , die sich dank Wanga einen Blick in die eigene politische Zukunft und mögliche Gefahren für ihre Macht erhofften, unter ihnen auch Leonid Breshnew und die indische Premierministerin Indira Ghandi.

 

 

..wenn Visionen zur Gefahr werden

Doch dann geschah das Unerwartete. Als sei die Euphorie um die einfache Frau mit dem Röntgenblick in die Zukunft nur ein Spuk gewesen, verschwand sie über nacht aus den Medien und aus der Erinnerung der Genossen. Nein, er habe nie eine Baba Wanga gekannt, antwortete selbst Professor Lozanow auf die Frage nach seiner einstigen Entdeckung . Soldaten bewachten ihr bescheidenes Häuschen in Rupite und verhinderten jeden Kontakt. Sie sei nach einem Hirnschlag unzurechnungsfähig, lautete die offizielle Begründung. Auch Ludmila hatte ihre Besuche eingestellt. Eine Vorhersage habe sie verärgert, munkelte man in der Bevölkerung. Ob Wanga ihr den frühen Tod mit nur 39 Jahren prophezeit hatte? 1981 starb Ljudmila Zhivkova jedenfalls bei einem mysteriösen Verkehrsunfall.

Daß allerdings auch Sofias Machthaber die Prophetin jahrelang isolierten dürfte schwerwiegendere Gründe gehabt haben – möglicherweise die zunehmende Distanz der Wahrsagerin zum Kommunismus. Dem räumte sie, auch gegenüber ausländischen Besuchern, immer weniger Überlebenschancen ein. Der Sowjetunion prophezeite sie sogar den baldigen Zerfall.

 

Seherin – vermutlich mit Auflagen

Als die Prophetin schließlich wieder offiziell in die Zukunft der Welt blicken durfte, geschah dies unter staatlichem „Protektorat“. Uniformierte patroillierten rings um Wangas Häuschen mitten in Wiesen und Feldern, ein sog. „Pressechef“ erfaßte vor Ort die Namen der Ratsuchenden in einer Liste. Daß auch Mikrofone deren Sorgen – insbesondere wenn es sich um die erneut anreisenden internationale Klientel handelte – an relevante Staatsorgane transferierten, bedurfte angesichts der kommunistischen Diktatur im Land sicher keiner ausschweifenden Phantasie.

Die Warteschlange vor dem Haus umfaßte an diesem Tag vielleicht 20 – 30 Personen. Im Viertelstunden-Intervall wurden die Besucher in das kleine Zimmer gerufen, wo Wanga vor einem schmalen Holztisch saß – bereit, sich die nächsten Sorgen anzuhören. Als ich sie um einen allgemeinen Blick in die Zukunft bat, blickte sie auf, sah mich überrascht an und sagte: Sie sind nicht gekommen, weil sie Probleme haben. Zum erstenmal entdeckte ich einen fast fröhlichen Ausdruck auf ihrem Gesicht, das bis dahin müde und versunken nach unten gestarrt hatte. Sogar zu ein paar Scherzen war sie bereit, offenbar dankbar, für ein paar Minuten den Seelendoktor vergessen zu dürfen. Um ihre Zeit nicht ganz unnütz zu verschwenden, bemühte ich mich in aller Eile um ein paar Ersatz-Sorgen. Meine Tochter leidet unter Allergie, sagte ich. Das wird in kurzer Zeit vorbei sein, winkte sie ab. Die größeren Sorgen würde ich dagegen mit meinem Sohn haben. Warum? frage ich erstaunt. Er werde sich erst langsam in der neuen Schule zurechtfinden. Zugegeben, es stellte sich später als treffend heraus. Zufall nicht ausgeschlossen.

Und die Zukunft der Welt? Vielleicht waren es die Soldaten rings um das Haus, die ihr an diesem Tag den globalen Blick in die Sterne trübten. Nur Serbien prophezeite sie eine düstere Zukunft und geriet dabei fast in rage. Ich argwöhnte zunächst, ihre mazedonischen Herkunft habe die Vision unbewußt beflügelt. Mazedonien lag zu diesem Zeitpunkt in Dauerkonflikt mit Belgrad.

Vielleicht hatte sie aber auch nur die Unausweichlichkeit einer solchen Entwicklung geahnt – lange lange vor der Bombardierung Serbiens durch die Nato 1999, lange vor Milosevics Sturz und dessen Auslieferung an das Haager Kriegstribunal.

 

Wahrsager in Staatsdiensten

 

Wanga, der mittlerweile ein Museum in Petritsch gewidmet ist, war vermutlich die populärste „baba“ , zu deren „Kunden“ gleichermaßen Diktatoren wie westliche Politiker zählten – und doch war sie nur eine von vielen Zukunftsdeuterinnen, die durch ihre Prophezeiungen die Entscheidungen der Mächtigen beeinflußten.

So ist bekannt, daß der jetzt vor dem Haager Kriegstribunal angeklagte ehemalige bosnische Serbenführer Radovan Karadzic keine Schlacht ohne den Segen der Wahrsagerin „Baba Stane“ aus dem bosnischen Bijeline begann und deren Rat zufolge die einzunehmenden Ziele stets vorab mit Kreuzen absteckte. Gab es Niederlagen so führte er diese stets auf die von seinen Soldaten vergessene bzw. unkorrekt vorgenommene Grenzziehung zurück.

Auch Slobodan Milosevics Ehefrau, die Erzkommunistin Mira Markovic, hatte in Indien eine dort berühmte Wahrsagerin aufgesucht um die Chancen ihres Gatten bei den bevorstehenden serbischen Wahlen zu erfragen.

Und zahlreiche hochrangige Belgrader Generäle war lt.glaubwürdigen Zeugenaussagen von Oberst Ljubodrag Stojadinovic felsenfest überzeugt, von Außerirdischen kontaktiert zu werden und deren Hilfe beim Kampf gegen den Rest Jugoslawiens zu erhalten.

Eine Reihe, die sich noch lange fortsetzen ließe…

Denn der Faszination des Übersinnlichen konnten nur wenige Eliten widerstehen, vor allem in den kommunistischen Diktaturen.

Doch man rotierte dabei um einen engen Kreis von Propheten, deren visionäre Erfolgsbilanzen selbst Wissenschaftler verblüfften und deren Verschwiegenheit gewährleistet war.

 

Fürs Volk die Scharlatane

Dem abergläubischen Volk überließ man dagegen die Hundertschaften einheimischer Kaffeesatz-Leser, Sternedeuter und Geistesflüsterer.

Gewiß nicht selbstlos.. Denn der Glaube der Bevölkerung an die Weissagungen aus dem Jenseits bot auch der politischen Propaganda ungeahnte Perspektiven. Viele von den Medien protegierten Weissager waren gleichzeitig verdeckte Stasi-Mitarbeiter oder willige Sympathisanten , die kurz vor den Wahlen in allen Medien mit ihren „Vorhersagen“ zugunsten der aktuellen Machthaber zitiert wurden. Und, dies sei am Rande erwähnt, während des Jahres gerne auch Diplomaten und deren Ehefrauen (oder Freundinnen) als Seelendoktor dienten und so die Dossiers der Geheimdienste nahezu zum Nulltarif bereicherten.

Das „Phänomen Wanga“ wollen Wissenschaftler jetzt erneut unter die Lupe nehmen – vor allem die Präzession ihrer Vorhersagen. Kritiker bemängeln die teils allgemein gehaltenen Umschreibungen der Ereignisse, die sich später auf die konkreten Katastrophen übertragen ließen. Dem gegenüber stehen nahezu unmißverständliche Hinweise, wie etwa auf die dramatischen Ereignisse vom 11.9.2001 in NewYork, die sich kaum mit dem Zufallsgenerator begründen lassen. Am Ende wird wohl – wie stets bei der Vermessung des Übersinnlichen – das Resümmee stehen: Man kann es glauben – oder auch nicht.

[RF1]

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